An Khoral

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Die heilige Stadt, das Herz der Freiheit, und in wörtlicher Übersetzung „Berg des Volkes“, so wird An Khoral von seinen Bewohnern genannt. Die Amhasim nennen es „dieses Rebellennest“ oder auch hinter vorgehaltener Hand „Schande des Senats“. Für andere Völker ist es ein sagenhafter Ort der zügellosen Träume, von dem viele sogar glauben, er sei nur eine Legende.

Man erreicht das versteckte An Khoral nur über einen einzigen Gebirgspass, der an vielen Stellen so schmal ist, dass kaum zwei Personen nebeneinander Platz finden. Hier befinden sich bereits die ersten angurianischen Verteidigungseinrichtungen, bestehend aus Felsenfallen, Brücken mit Sollbruchstellen und einigen Exemplaren der feuerspritzenden Drachenschlünde. Der heilige Berg selbst thront über einem üppig grünen Tal, dessen langgestreckte Geysirseen und fruchtbare Auen von unterirdischen Quellen, mächtigen Wasserfällen und Wildbächen gespeist werden. Das gesamte Hochplateau wird rundherum von den Bergketten des Yal Hamat begrenzt, deren Gipfel hier zwischen 3500 und 5000 Schritt hoch aufragen. Die von vulkanischer Aktivität geprägte Landschaft des Hochplateaus ist stark zerklüftet und von Kalksteinterrassen, Klammen, bizarren Felsformationen und üppigem Mischwald durchzogen. Die Temperaturen fallen im Tal selbst im Winter niemals unter den Gefrierpunkt, nahe der heißen Seen ist es ohnehin deutlich wärmer. Das äußerst wildreiche Gebiet, erstreckt sich über eine Länge von gut 80 Meilen und ist an der weitesten Stelle etwa 50 Meilen breit. Die eigentliche Stadt beginnt zu Füßen des majestätischen Berges An Gur an den Ufern des Flusses Inawa und des Quelltopfsees Liamun. Der Wanderer gewahrt, sich von Nordwesten dem heiligen Berg nähernd, zuerst die Zelte und Baumhäuser der Jäger, die Gestelle zum Trocknen des Fleisches, die Gerbergruben und Räucherhütten, die Fischerflöße auf dem See, sowie den großen Tauschplatz mit seinen Handwerkern und Garküchen. Große Hamrakherden durchstreifen das Gebiet und werden bei Bedarf bejagt oder aber eingefangen und gemolken. Dies ist jedoch nur der kleinere Teil der Stadt, das eigentliche Herz An Khorals liegt in dem vom sanften Dämmerlicht der Hetrah-Kristalle erhellten Innern des An Gur. Zugang erhält man nur über eine schmale Felsentreppe oder bequemer über einen mit Wasserkraft angetriebenen Holzaufzug.

Hat man den schmalen Höhleneingang passiert, betritt man einen basarartigen Bereich, in dem Gebrauchsgegenstände und Beutestücke, Trockenfleischbündel, Ziegenkäselaibe und Handwerksmaterialien in scheinbar ungeordneter Weise und für jeden zugänglich gelagert werden. Es ist auch tatsächlich so, dass jeder sich von dort das gerade Benötigte wegnimmt; meist um es durch beliebige andere Gegenstände zu ersetzen. Ausrufer sorgen hin und wieder durch Rufe wie „Wir brauchen mehr Fleisch, Brüder!“ oder „Wer uns heute Barumawurzel und Honig verschafft, soll morgen Blutwein trinken!“ dafür, dass wichtige Waren nicht ausgehen. Handwerker beginnen oft direkt an Ort und Stelle damit, bestimmte Waren weiterzuverarbeiten, so dass ein reges und lautes Treiben durchzogen von Essensgerüchen und Gesprächsfetzen herrscht.

Hinter dieser gut 200 Schritt durchmessenden Vorhöhle gelangt man in die Bereiche der Wohnhöhlen, die durch ein verwirrendes Labyrinth von (Kriech-)Gängen, Treppen, Stollen und Schächten miteinander verbunden sind. Dass man auf dem Weg zu seiner eigenen Behausung, oft diejenigen anderer Stammesbrüder und -schwestern durchqueren muss, wird als völlig selbstverständlich hingenommen. Intimere Bereiche werden einfach durch Felle oder erbeutete Tücher ein wenig abgetrennt, jedoch schert sich sowieso kaum jemand darum, vor neugierigen Blicken verborgen zu sein, sind die meisten dieser Höhlen doch ohnehin Gemeinschaftsräume, in denen man sich zum Schwatzen, Ringkampf, Brettspiel, Lieben, Essen, Tanz oder Musizieren trifft.

Die Wasserversorgung wird durch Kanäle und Zisternen sichergestellt. Ein ausgeklügeltes Schachtsystem sorgt für Belüftung und Rauchabzug. Immer wieder trifft man auf heiße Quelltöpfe, die zum geselligen Bad einladen.

Steigt man weiter in die Tiefen des Berges hinab, gelangt man zu den dunkleren, räucherwerkgeschwängerten Hallen der Umbatarkai, in denen nur noch die violetten Hetrah-Kristalle spärliches Licht spenden. Dort finden sich wunderschöne Tropfsteinhöhlen, Lavakanäle und teilweise überflutete Bereiche, die von den seltsamsten Wesen der Dunkelheit bewohnt werden. Prächtige Kristalldrusen schmücken Wände und Decken, deren materieller Wert hier niemanden zu interessieren scheint. Geht man noch tiefer, erreicht man schließlich die Höhle des Rausches, einen heiligen Ort, der in seiner ganzen Schönheit nur mit nachtsichtigen Augen zu bewundern ist. Dann aber erschließt sich dem staunenden Reisenden eine Märchenwelt aus Kristall und Wasser, natürlichen Brücken und bizarrsten Formen. Ein geheimnisvolles Gas, das hier aus dem Gestein austritt, sorgt dafür, dass rauschhafte Traumgesichter über die Besucher hereinbrechen und die Finsternis mit den Dämonen oder Musen ihrer eigenen Seele erfüllen. Hier liegt auch der Tiefenborn, ein bodenloser Abgrund, von dem die Umbatarkai sagen, er sei der Ort wohin die Seele eines Angurianers geht, um wiedergeboren zu werden. Auf diese Weise findet das Garam des Verstorbenen Zuflucht bei der Allmutter und ist frei vom Zugriff gieriger Geister, Dämonen oder Götter.

Nimmt der Wanderer jedoch von den zentralen Wohnhöhlen aus, den Weg nach oben, gelangt er über Treppen und Leitern, durch steile Schächte, hinauf bis zur Drachengrotte, dem heiligen Zentrum der Priesterschaft der Anurkai. Hier, nahe dem Gipfel des Berges, führen die Drachenpriester ein Leben in steter Meditation und ergehen sich in philosophischen Betrachtungen. Hier lagern Schriftrollen und Artefakte, hier werden neue Ideen geboren und tiefe Weisheit erlangt. Die Sphäre der Formen bildet den Mittelpunkt der etwa 40 Schritt durchmessenden Grotte. Ein mannshoher Gwen-Petryl-Stein schwebt in der Mitte der Höhle und zeigt auf seiner Oberfläche ständig wechselnde Farben und Bilder und lässt Töne und manchmal sogar Worte in unverständlichen Sprachen erklingen. Von der Drachenpriesterschaft wird er als Weisheitsorakel und Meditationsfokus verwendet. An den Wänden und der Kuppel der Grotte strahlt ein riesiges Bildnis des Himmelsdrachen aus tausenden kleiner Gold, Silber und Jadeplättchen. Jede einzelne Schuppe wurde von den Priestern mit winzigen Schriftzeichen oder Bildern graviert. Sie beinhalten Karten, philosophische Betrachtungen, Geschichtswissen, Überlegungen bezüglich der Kriegskunst, Sternkunde, Orakelsprüche und Handwerkswissen. Ständig kommen neue Schuppen dazu und vermehren so den Glanz und die Größe des Drachen, aber auch das Wissen der Priesterschaft. Befindet sich ein Drachenpriester in Meditation, so kann er einzelne Schuppen in der Sphäre der Formen vergrößert abbilden. Wer den Weg hier herauf nicht scheut, kann zu erstaunlichen Einsichten gelangen und großes Wissen erringen.

Die Bewohner An Khorals scheren sich nicht um Standesunterschiede oder Titel. Jeder leistet hier eben jenen Beitrag zur Gesellschaft, zu dem er persönlich am besten befähigt ist; besondere Privilegien existieren nicht. Wenn Reibereien entstehen, löst man diese meist durch lautstarke Diskussionen oder im schlimmsten Fall durch einen handfesten Zweikampf, der dann in der Regel ein mit Spannung verfolgtes, öffentliches Ereigniss darstellt.

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