Sanskitarische Reiternomaden

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Sanskitarische Reiternomaden

Anders als die sesshaften Sanskitaren der Stadtstaaten haben die Reiterstämme nie die Lebensweise ihrer Vorväter aufgegeben und leben noch heute nach den uralten Traditionen ihres Volkes. Groß ist ihre Anzahl verglichen mit der der Städter nicht mehr, zu verlockend war für viele das Leben in der trügerischen Sicherheit der großen Metropolen. Doch Jene, die übrig geblieben sind, blicken umso stolzer auf Diejenigen herab, die sich leichtfertig in den verfluchten Ruinen niedergelassen haben.

Inhaltsverzeichnis

Lebensraum

Der Großteil der Reiterstämme zieht durch die die weiten Steppen und Savannen, die sich von Kap Parhami aus zwischen Grüner Sichel und den südlichen Ausläufern der Lath bis hin zum Kithorra-Massiv erstrecken. Vereinzelt leben auch Stämme in Kurotan und in den Wüstengebieten Teruldans oder dringen als Handelskarawanen sogar bis in die entlegensten Ecken Rakshazars vor. Da sie eine abergläubische Furcht vor den uralten Ruinenstädten haben, meiden sie diese wo immer es geht, so dass das von den Kunkomern erbaute Yal Kalabeth die einzige große Metropole ist der sie sich nähern. Da sich die Reiternomaden weder als Untertanen der sanskitarischen Fürsten sehen, noch deren Staatsgebiete, Gesetze, Steuern und Zölle anerkennen, kommt es in manchen Gebieten immer wieder zu Konflikten bei denen die Vorherrschaft wechselt.

Lebensweise

Die sanskitarischen Reiterstämme sind ein wehrhaftes, nomadisch lebendes Volk, das sich hautsächlich von der Jagd ernährt. Besonders die riesenhaften Pflanzenfresser, wie etwa Knochenwüter und Donnerläufer, die ob ihrer gewaltigen Fleischmenge einen gesamten Stamm für Wochen und Monate zu ernähren vermögen, sind eine begehrte Beute. Selten einmal gelingt es ihnen gar, ein Jungtier lebendig einzufangen und zu einem gewaltigen Reit- und Lasttier abzurichten. Diese bilden, zusammen mit anderen Reittieren – zumeist Pferden – den wertvollsten Besitz eines Stammes.

Einige Stämme haben sich auch dem Handel verschrieben. Ein Teil der Nordlandwaren - vor allem edle Pelze und Mammutstoßzähne - die auf den Märkten Yal-Mordais angeboten werden, werden von den Stämmen der Reiternomaden in den tiefen Süden des Kontinents gebracht. Umgekehrt transportieren die Nomaden Schmuck, Metalle, Perlen und Obsidian aus den südlichen Stadtstaaten bis weit in den Norden, Westen und Osten Rakshazars. Dabei konkurrieren sie im Nordhandel mit den Brachtão und im Handel mit den östlichen Regionen Rakshazars mit den Xhul. Besonders die Orks haben sich dabei als kaum zu schlagende, erbitterte Gegner herausgestellt. Dies, und die gemeinsame, blutige Geschichte sind oft Ursache für gegenseitige Überfälle und sogar Kriege zwischen den beiden Kontrahenten.

Großangelegte Raubzüge unternehmen die meisten Stämme viel seltener, als es ihnen von ihren städtischen Verwandten unterstellt wird - wenn auch häufiger als es sich ihre Opfer wünschen würden. Kleinere Raubzüge zu einem anderem Stamm oder Dorf oder Überfälle auf Karawanen, bei denen junge Krieger ihren Mut und ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen können, sind dagegen durchaus üblich. Einige wenige Stämme bilden jedoch echte Räuberbanden, die ob ihrer hohen Beweglichkeit kaum zu fassen sind, und schon mehr als einmal gelang es einer solchen Bande, einen ganzen Landstrich über längere Zeit hinweg zu terrorisieren. Egal ob kleiner Raubüberfall eines sonst eher friedlichen Stammes oder die Beutezüge der großen Räuberbanden, die Krieger rauben hierbei - neben Rohstoffen, Vieh und Gold - immer auch die Söhne und Töchter ihrer Opfer. Diese fristen dann ihr Dasein als Geiseln, und können innerhalb einer bestimmten Zeitspanne, deren Länge durch Sterndeutung festgelegt wird, freigekauft werden. Oft werden bedeutende Geiseln, etwa der Sohn eines Herrschers oder die Tochter eines Schamanen innerhalb des Stammes verheiratet und zur Zeugung von Nachwuchs animiert. Dahinter steht die Idee, dass sich eine freigekaufte Geisel bzw. dessen Volk nie gegen einen Stamm richten wird, in dessen Adern eigenes Blut fließt. Oft werden so sogar feste Handelsbeziehungen geschlossen, und in den Lagern der Reiternomaden sind Mischlinge ein durchaus gewohnter Anblick. Einzig die Erbfeinde der Reiternomaden, die Orks sind von dieser Tradition ausgenommen, ihnen wird gleich an Ort und Stelle die Gurgel durchgeschnitten. Sollte das Lösegeld für die Geiseln nicht bezahlt werden, müssen diese damit rechnen, den Kurotaner oder Teruldaner Sklavenmarkt näher kennen zu lernen, als ihnen lieb ist.

An der Spitze des Stammes steht jeweils ein sogenannter Sayback, was wörtlich übersetzt "stark gepanzert" oder auch "unbezwingbar" bedeutet. Nach alter Tradition kann nur derjenige Sayback werden, der wenigstens 40 Sommer alt ist und in seinem Leben mindestens sieben große Heldentaten vollbracht hat; wobei der amtierende Sayback schon zu Lebzeiten alle Taten seiner potenziellen Nachfolger bewertet. Sollte ein Sayback vor der Nominierung seines Nachfolgers sterben, tritt vorübergehend der ganze Stamm, oder - je nach Stammesbrauch - der Wahrer der Tradition an dessen Stelle und bestimmt einen geeigneten Nachfolger. Im Allgemeinen scheren sich die Reiternomaden nicht um das Geschlecht ihrer Anführer, vielmehr sind sie der Meinung, dass ein Stamm von den Fähigsten beschützt und verteidigt werden soll, unabhängig von deren Geschlecht und Herkunft. Dieses Denken macht auch vor den Reit- und Haustieren des Stammes nicht halt, zu dem die Reiternomaden oft ein besonders inniges, zärtliches, ja manchmal gar sexuelles Verhältnis entwickeln, und die bei allen Stämmen als vollwertige Stammesmitglieder akzeptiert werden; mit der letzten Konsequenz, dass auch diese zu Sayback werden können. Nahe Yal-Kalabeth etwa, gibt es einen Stamm, der mittlerweile seit 20 Jahren von einem Knochenwüter angeführt wird. Und dies anscheinend mit Erfolg, gehört der Stamm doch zu den Einflussreichsten der Region. Sogar Hochzeiten zwischen Mensch und Tier sind nicht ungewöhnlich. In den polygamen Ehen der Reiternomaden ist - vor allem bei den Sayback - zum Beispiel oft das Lieblingsreittier einer der Ehepartner. Die Reiternomaden schließen ihre Ehen ihrem Naturell entsprechend frei, ohne auf Art, Geschlecht, Stamm oder Reichtum des Partners Rücksicht zu nehmen. Die Hochzeit selbst wird mit viel Pomp gefeiert und als gute Möglichkeit gesehen, den eigenen Wohlstand zur Schau zu stellen. Der erste Ehepartner einer polygamen Ehe ist der wichtigste. Er bestimmt das Familienleben und besitzt auch das Letzte Wort in Fragen der Erziehung des Nachwuchses. Die genauen Rituale, die zum Vollzug der Ehe durchgeführt werden müssen und auch die Antwort auf die Frage, ob alle Ehegatten eines verstorbenen Sayback diesen in den Tod folgen müssen oder an Verwandte weiterverheiratet werden, sind von Stamm zu Stamm unterschiedlich.

Weltsicht und Glaube

Die Reiternomaden eint ein traditionsreicher Mysterienzyklus, der - in unterschiedlichsten Ausprägungen - von den Mitgliedern der Stämme von Generation zu Generation weitergegeben wird. Hauptmotiv sind dabei die drei Elemente Luft, Erde, und Wasser sowie dessen drei göttliche Schirmherren; der Himmelsgott Braiorag, der Erdgott Ongferan sowie die Wassergöttin Ipkara. Braiorag und Ongferan buhlen beständig um die Gunst der Ipkara, und zahlreiche Mythen handeln von den Gefechten der beiden, dem Sieg des einem und den Tod des anderen sowie den Söhnen und Töchtern die aus ihrer jeweiligen Vereinigung mit Ipkara hervorgingen. Aber auch von Kriegen, die von den beiden buhlenden Göttern gemeinsam gegen fremdartige Wesen - meist als fremde Götter gedeutet - geführt wurden handeln die Erzählungen. Die Götter sind nach Ansicht der Reiternomaden nur bedingt unsterblich - wohl sterben sie, jedoch werden sie stets zu bestimmten Zeiten wiedergeboren - meist bei bestimmten Sternenkonstellationen oder dem Eintreten anderer astrologischer Phänomene, wie etwa der Sonnenwende oder Mondeklipsen.

Obwohl sie durch ihr Nomadenleben beständig auf Wanderschaft sind, besitzen die Reiternomaden dennoch eine Unzahl von Heiligtümern, die von strategischer Bedeutung für ihre Wanderwege sind. Meist sind es riesige Steinformationen, die durch geschickt angelegte Bohrungen, Schächte etc. wie große Astrolabien funktionieren. Durch Schattenwurf, Ausrichtung auf bestimmte Konjugationspunkte von Sternen etc. ermöglichen sie die Vermessung des Himmels oder die Zeitmessung. In ihnen vereint sich - so der Glaube der Reiternomaden - die Weisheit des Himmels mit der Weisheit der Erde, das sich ständig wandelnde mit dem beständig gleichen. Bestimmte, außergewöhnliche - meist negative - Ereignisse, wie zum Beispiel Kriege mit übermächtigen Feinden oder sich verbreitende Epidemien, werden als Zeichen gedeutet, dass einer der Götter besiegt wurde und starb, weswegen man die heiligen Orte aufsucht um den Zeitpunkt seiner Wiedergeburt zu bestimmen. Der Tod eines Gottes ist ein Ereignis, das anderen Stämmen so schnell wie möglich mitgeteilt werden muss, auf dass sie wissen, dass das Volk der Reiternomaden einer Zeit des Chaos, des Ungleichgewichts und der Gesetzlosigkeit entgegengeht. All die traditionell überlieferten Regeln gelten bis zur Wiedergeburt der jeweiligen Gottheit nicht mehr. Wie man sich in dieser Zeit verhält, ist von Stamm zu Stamm verschieden. Manche fliehen ängstlich zu den Heiligtümern, andere verfallen in wilde Barbarei. Oftmals hat dies zur Folge, dass sich die Stämme an den Heiligtümern verschanzen und ungemein vorsichtig, ja fast ängstlich agieren.

Viele Stämme verzichten darauf, die drei Gottheiten direkt anzubeten, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass man sich in die Streitigkeiten des Himmels- und des Erdgottes einmischt, bzw. dass man selber um Ipkara werben will. Deswegen sind auch die so genannten “Großen Riten” an die Drei eher selten, da man bei ihrer Ausführung die alten Traditionen peinlichst genau beachten muss, kann doch jeder noch so kleine Fehler katastrophale Folgen haben.

Um Hilfe und Beistand beten die Reiternomaden lieber zu ihren mystischen Stammvätern und den großen Helden ihrer Stammesgeschichte; aber auch deren Wohlwollen ist von der strengen Einhaltung der alten Stammesgesetze abhängig. In der Vorstellung der Reiternomaden umfasst der Stamm sowohl die lebenden, als auch die toten Stammesmitglieder - vor allem die verstorbenen Sayback. Damit der Geist eines verstorbenen Stammesmitglieds in die jenseitigen Gefilde eingehen kann, ist es notwendig, dass sein Leichnam am heiligen Begräbnisplatz des Stammes im Kreise seiner Vorfahren beigesetzt wird. Geschieht dies nicht, ist er auf immer dazu verdammt ziellos im Diesseits umher zu irren. Daher führt der Stamm die Körper der Verstorbenen so lange mit sich, bis er auf seinen Zügen wieder einmal den Begräbnisplatz erreicht. Jeder Stamm besitzt einen solchen heiligen Ort, den sich manchmal auch mehrere Stämme teilen, etwa wenn sie ihre Herkunft von einem gemeinsamen Sayback herleiten. Diese Friedhöfe liegen meist in gut verborgenen Schluchten oder Höhlen und werden in der Regel nicht bewacht, da ihre Heiligkeit von allen Reiterstämmen gleichermaßen anerkannt wird. Fallen, die Raubtiere oder unvorsichtige Räuber abhalten sollen sind dagegen weit verbreitet.

Einfache Stammesmitglieder werden in schlichten Gräbern ohne Grabbeigaben beigesetzt. Den Sayback jedoch wird eine besondere Ehre zuteil. Um auch noch nach ihrem Tod dem Stamm in Stunden der Not beistehen zu können, werden sie in voller Bewaffnung, aufrecht sitzend auf dem Rücken ihres Reittiers mitsamt dem persönlichem Besitz - etwa Goldschmuck, mystische Gegenstände oder auch verfluchten Artefakten, über die sie Wachen sollen - beigesetzt, indem ein Hügel aus Steinen um sie herum aufgetürmt wird.

Gelegentlich gibt es auch Abweichungen von dieser Tradition: Südlich von Yal-Mordai gibt es einen wenig nomadischen, ja fast schon sesshaften Stamm, der seine Toten in einer Höhle, die nur über einen einzigen Spalt im Boden betreten werden kann, beisetzt. Bei diesem Stamm ist es ebenfalls die Tradition, dass die noch lebenden Ehepartner, mitsamt deren Besitz, dem Toten nachfolgen, sprich, lebendig in die Höhle geworfen werden und dort unten elendig verhungern.

Der Glaube an die drei Götter und die als Helden verehrten Sayback der Vergangenheit spiegelt sich auch in der Verwendung der Stammeszeichen wieder. Jeder Stamm hat ein eigenes Symbol, bestehend aus drei geometrischen Figuren, die für die Götter stehen und deren Zuordnung von Stamm zu Stamm variiert. So kann im einen Stamm ein auf der Spitze stehendes Dreieck für Braiorag stehen, beim Nachbarstamm wird der gleiche Gott durch eine Sonnenscheibe - sprich einen Kreis - versinnbildlicht. Nah verwandte Stämme, die sich auf die Abstammung von einem gemeinsamen Sayback berufen, verwenden die gleichen Zeichen, ergänzt um den Namen ihres Stammesgründers. Priesterliche Aufgaben werden vom Wahrer der Tradition, den es in jedem Stamm gibt, wahrgenommen. Dabei werden diese oft vom Schamanen unterstützt.

Sitten und Bräuche

Fast alle Stämme legen großen Wert auf die Einhaltung ihrer überlieferten Gesetze und Traditionen. Diese umfassen für gewöhnlich - neben religiösen Riten - auch Verhaltensvorschriften für das alltägliche Leben. Während viele dieser Traditionen hilfreich für das Überleben des Stammes sind, wirken manch andere hingegen für Außenstehende eigentümlich, unsinnig oder gar gefährlich. Die einzelnen Traditionen können von Stamm zu Stamm recht stark variieren und verkehren sich mitunter sogar ins absolute Gegenteil. So kann das, was bei einem Stamm als höflich gilt, schon beim nächsten Stamm eine tödliche Beleidigung sein, oder aber die Leibspeise des einen Stammes das heilige Tier eines anderen darstellen. Häufig gelten bei den Reiternomaden im Umgang mit Fremden andere Gesetze als im Umgang mit Stammesmitgliedern. Verbrechen gegen Stammesmitglieder etwa werden rigide bestrafft, während bei Verbrechen gegen Fremde der Täter oft sogar noch von seinem Stamm geschützt wird. Gebote der Gastfreundschaft oder bindende Versprechen gelten bei den Reiternomaden wenig, es sei denn es passt gerade zu den aktuellen Zielen des Stammes. Vielen Fremden, die mit den Reiternomaden handeln, ist dieser Umstand kaum bewusst, und unabsichtlich ausgelöste Fehden sind keine Seltenheit. Und wenn man schon mal eine potenzielle Geisel am Lagerfeuer sitzen hat… Obwohl jedes Stammesmitglied die Traditionen zumindest grob kennt gibt es bei den meisten Stämmen wenigstens einen "Wahrer der Tradition", der von klein auf in den alten Gesetzen und der Stammesgeschichte unterwiesen wurde, und der ausschließlich für ihre Einhaltung und Weitergabe verantwortlich ist.

Die Kriegskunst der Reiternomaden ist bei Freund und Feind gleichermaßen berühmt. Ihre genaue Ausprägung hängt sehr von den Fähigkeiten des jeweiligen Saybacks und der Größe bzw. den Ressourcen seines Stammes ab. So reicht die Palette der Kriegstaktiken von scheinbar unkoordinierten, aber nichtsdestotrotz äußerst effektiven, überfallartigen Reiterangriffen, bis zum - von wahren Meisterstrategen orchestrierten – Einsatz mehrerer Knochenwüter, auf denen Schützen und Lanzenkämpfer in die Reihen der Feinde einbrechen. Ähnlich verhält es sich bei der Jagd, auch hier reicht die Palette der verwendeten Methoden von wilden Treibjagden bis zur Pirsch mit Bogen und Giftpfeilen.

In der götterlosen Zeit scheinen die Reiternomaden verrückt zu spielen. Kein Gesetz gilt mehr, Familienbande und Ehen sind, zumindest vorübergehend, aufgelöst. Einige Stämme verfallen in eine regelrechte Schockstarre und verschanzen sich an ihren Heiligtümern, andere üben blutige Rache an allen, die den Stamm unrecht taten. Selbst vorher als wertvoll erachtete Geiseln sind ihres Lebens plötzlich nicht mehr sicher. In den Städten erzählt man sich schaurige Geschichten von armen Opfern, die während dieser Zeit von den Nomaden bei lebendigem Leib zerrissen und verspeist wurden.

Die Reiternomaden nutzen selbst keine Sklaven, kennen jedoch durchaus das Prinzip der Sklaverei. Die während eines Überfalls erbeuteten Geiseln, welche nicht durch ihre Verwandten oder Freunde ausgelöst wurden, werden weiterverkauft

Handwerkskunst

Die Kultur der Reiternomaden befindet sich auf dem Niveau der späten Bronzezeit. Da sie keinen Bergbau betreiben und aufgrund ihrer nomadischen Lebensweise auch nicht über große Werkstätten verfügen, stellen sie allerdings selber kaum etwas aus Bronze her. Ihre Fähigkeiten auf dem Gebiet der Bronzebearbeitung umfassen vielmehr vor allem die Instandhaltung und Reparatur einmal erlangter Gegenstände. Die meisten Metallgegenstände, sowie das Rohmetall für die wenigen Dinge, die sie dennoch selber fertigen, gelangen durch Handel oder Raub in ihren Besitz. Weil Metall aber in Rakshazar ein seltenes Gut und der Erwerb äußerst kostspielig ist, verwenden die Reiternomaden großteils auch immer noch steinzeitliche Materialien, vor allem Horn und Knochen, die leicht aufzutreiben und auch ohne große Werkstätten zu bearbeiten sind. Allgemein lässt sich sagen, dass die Handwerkskünste, außer der Kürschnerei und dem Herstellen von Waffen, nicht hoch geachtet werden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das bekannteste Handelsgut der Reiternomaden grobe Lederarbeiten, allem voran Zaumzeug, sind.

Tracht und Bewaffnung

Die Kleidung der Reiternomaden ähnelt der der städtischen Sanskitaren, doch ist sie meist robuster gefertigt und an ein Leben im Sattel angepasst. Die Knie, die Schienbeine, die Ellenbogen und das Gesäß werden häufig zusätzlich gepolstert oder mit mehreren Lagen aus besonders zähem Leder verstärkt. Besonders reiche Sayback nutzen hierzu auch gerne Bronzeschienen. Neben schlichtem Bronzeschmuck werden auch Jagd-Trophäen wie etwa Ketten aus den Krallen und Zähnen erlegter Raubtiere getragen. Bei vielen Stämmen ist es zudem üblich, dass erwachsene Männer das Zeichen ihres Stammes deutlich sichtbar im Gesicht tragen, meist als Tätowierung, manchmal aber auch eingebrannt. Hinzu kommen die Reißzähne von Boworwölfen, sowie Bronzeringe oder auch Bronzestäbchen, mit denen Ohren, Nase oder Wange durchstochen werden. Die abstoßendste Form der "Gesichtsverzierung" kennt ein Stamm am Rande der Lath nahe Teruldan, bei dem es Tradition ist, sich die Nase amputieren und die Zunge spalten zu lassen. Die Reiternomaden bevorzugen vor allem Waffen, die sich für den Kampf vom Rücken ihrer Reittiere aus eignen. Dies sind leichte Stoßlanzen, Wurfspeere, Reiterbögen, Sichelschwerter und einhändig zu führende Hiebwaffen. Schwere Metallrüstungen werden nur von den Mitgliedern der reichsten und kriegerischsten bzw. räuberischsten Stämmen getragen – üblicher sind hingegen Rüstungen aus Leder oder aus den Knochen und Panzern erlegter Beutetiere.

Magie

Die Schamanen der Reiterstämme werden von ihren Stammesbrüdern gleichermaßen verehrt wie gefürchtet, stehen sie doch an der Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Geister und Götter. Sie stehen in Kontakt zu den Ahnengeistern des Stammes und können sie in Zeiten der Not um Rat, Beistand und Hilfe bitten. In das alltägliche Leben des Stammes sind die Schamanen jedoch kaum eingebunden, halten sie sich doch abseits der übrigen Stammesmitglieder und trennen sich mitunter gar zeitweilig komplett von ihrem Stamm, um am Begräbnisplatz des Stammes oder einem anderen heiligen Ort die Nähe der Geister zu suchen. Durch ihren Kontakt zu den Vorfahren sind sie auch die obersten Wächter über die Einhaltung der Begräbnisriten und stehen als solche noch über den so genannten „Wahrern der Tradition“, denen die spirituelle Führung des Stammes im Alltag und die Weitergabe der Traditionen und Sagen obliegt. Neben der Kunst der Geisterbeschwörung sind die Schamanen der Reiterstämme vor allem für die von ihnen hergestellten Schutzamulette und Talismane berühmt. Diese gelten als besonders zaubermächtig und sind auch bei den sesshaften Sanskitaren hoch begehrt. Echte, hohe Nekromantie – das wiederbeleben von Leichnamen - ist zwar bekannt, wird aber nur von wenigen düsteren, machtbesessenen Schamanen praktiziert, da darin allgemein ein Verstoß gegen die Traditionen gesehen wird.

Anderen Magiewirkern als ihren eigenen Schamanen begegnen die Reiternomaden für gewöhnlich mit abergläubischer Furcht, die aber - gerade gegenüber Orkschamanen und den Blutmagiern der Ipexco, die ihre Kraft aus den Geistern der Verstorbenen nähren – auch schnell einmal in kalten Hass umschlagen kann.

Darstellung

Der Reiternomade ist kein Freund der lauten Worte. Ihm reicht oft eine kleine Geste oder ein geflüstertes Wort um sich auszudrücken. Er denkt viel nach, aber teilt Anderen nur das mit, nach dem er gefragt wird. Seine Gefühle drückt er nicht mit Worten sondern mit unmittelbaren Taten aus: Er umarmt seine Gefährten, wenn sie ihm geholfen haben. Genauso schlägt er aber auch zu ohne vorher zu warnen oder zu lamentieren, wenn er sich schlecht behandelt fühlt. Wenn die Lage zu schwierig wird, sucht der Reiternomade zunächst das Weite um dann, in einer für ihn günstigeren Situation, mit doppelter Härte zurückzuschlagen. Seinen Gefährten wird er stets treu sein, aber er wird sie auch zur Vorsicht mahnen und von allzu überstürzten Taten abhalten. Zu wertvollen Haus- oder Reittieren besteht oft eine innige Beziehung. Nie käme ein Reiternomade auf die Idee, sein Pferd oder seinen Knochenwüter zu opfern, eher opfert er sich selber für das Wohl des Tieres.

Typische Namen

Die Namen der Nomaden ähneln denen der sesshaften Sanskitaren, jedoch ist es bei vielen Stämmen üblich, Stammesmitgliedern Spitznamen zu geben die sich von einem besonderen Ereignis oder einer speziellen Eigenheit des Betreffenden ableiten. Ein solcher Name muss nicht immer eine Ehrbekundung sein, manchmal werden auch regelrechte Spottnamen verliehen, etwa wenn sich ein Stammesmitglied besonders dumm oder tollpatschig angestellt hat. Gerade solche Beinamen wird ihr Träger nur schwer wieder los, und schon mancher große Held hat ein Leben lang erfolglos versucht, sich von einer solchen Schmach zu befreien.

  • Männlich: Ali, Amhrar, Amir, Balthtor, Gaftar, Hamed, Jachman, Kasim, Kazaim, Mahemud, Omban, Ruchan, Sahil, Talim, Yussuf
  • Weiblich: Aischa, Amalah, Banaltar, Demeyah, Fadima, Josabeth, Kamiltar, Mamitah, Nalaeth, Pereth, Shennai, Sheydan, Shulam, Yezemin, Yezima

Was denken die sanskitarischen Reiternomaden über

  • Amhasim: „Wenn du mit ihnen handelst, solltest du sicher gehen, dass du nicht selbst die Ware bist“
  • Orks: „An ihren Händen klebt das Blut unserer Vorväter, zwischen ihnen und uns wird es niemals Frieden geben“
  • Ipexco: „Hüte dich Ihnen in die Hände zu fallen, sie fressen dich bei lebendigem Leib, und deine Seele verfüttern sie an ihren wahnsinnigen Götzen“
  • Städtische Sanskitaren: „Sie haben ihre Ahnen vergessen und die ehrwürdigen Traditionen opfern sie für Sünde und Dekadenz. Ich sage euch, auch ihnen wird es einst so ergehen wie denjenigen, die vor ihnen die großen Städte bewohnten“
  • Parnhai: „Ein Volk das freiwillig in Unfreiheit lebt, ohne sich zu wehren. Niemals werden wir sie verstehen. Aber ihren Schnaps musst du unbedingt kosten. Warte, ich hätte da noch eine Flasche…“
  • Xhul: „Wir treffen sie oft auf unserem Weg durch die Steppen. Sie sind gute Händler und Jäger und selten eine Bedrohung für uns“

Beispielstämme

Sabu Rashits Stamm

Seit nun mehr 20 Jahren leitet Sabu Rashit einen der bedeutendsten und einfußreichsten Stämme der Reiternomaden. Kaum eine Ware, die die eifrigen Zwischenhändler nicht auf ihrer Route Yal-Kalabeth – Teruldan handeln. Reich und zahlreich sind sie geworden; der Stamm umfasst inzwischen etwa 800 Mitglieder und noch einmal so viel Vieh, viele von ihnen mit Wurzeln bei ehemaligen Xhul-Geiseln, die nach alter Tradition in den Stamm eingeheiratet wurden.

Das Außergewöhnlichste an diesem Stamm ist aber Sabu Rashit selbst, handelt es sich bei ihr doch um eine betagte Knochenwüterdame. Ihrer stoischen und ruhigen Art verdankt der Stamm seinen Wohlstand. Schon jetzt, zu ihren Lebzeiten, wird die Sayback wie eine Göttin verehrt. Schon als kleines Kalb soll sie einen Troll erschlagen, mehrmals den Stamm in der Wüste vor dem Verdursten bewahrt und einmal sogar ein Geisterheer zum Schutz des Stammes vor einem Dämon gerufen haben. Wie viele von den Geschichten allerdings war sind, weiß nur der uralte Jachman, der Wahrer der Traditin des Stammes.

„Die Verrückten“ auch bekannt als „dreckige Mörderbande“ oder Hassuns Stamm

Der Schrecken Hassuns, des Stammesschamanen eines kleinen, unbedeutenden Stammes im Orthwall war riesengroß. Vor sieben Jahren, mitten in einer stürmischen Frühlingsnacht, erschienen ihm, ohne dass er sie mit einem Zauber gerufen hatte, die Geister von gleich sieben, legendären Sayback und verkündeten ihm das Ende aller Zeiten: Braiorag, der Gott des Himmels, sei gefallen, aber nicht im Kampf gegen Ongferan, den Erdgott, sondern durch die Hand eines dritten, mächtigen Wesens namens Harath, einem finsteren Dämon. Tot liege Braiorag danieder, der Kreis der göttlichen Wiedergeburt sei durchbrochen, Ongferan rüste zum Kampf gegen Harath und Ipaka versage in ihrer Trauer um Braiorag allen ihren Segen.

Panik brach im Stamm aus und Frucht, Angst und Hass verwandelten den einst friedfertigen Stamm in eine reißende Bestie, die nach allem schnappt, was ihr vor die Schnauze kommt. Schon mehrmals haben die Stammesmitglieder Karavanen überfallen, Dörfer im Dreistromland bis auf den letzten Mann niedergemacht oder Raubzüge bis vor die Tore Yal Kalabeths und Yal-Mordais unternommen. Da die berittenen Nomaden schnell zuschlagen und genau so schnell wieder verschwinden, sind sie zu einer ernsten Bedrohung herangewachsen, die bisher noch kein Heer stellen und vernichten konnte.

Das Versteck des Stammes ist ihr traditioneller Friedhof, eine enge Klamm im Orthwall, die unten so breit ist, dass ein Knochenwüter problemlos hineintraben kann, sich nach oben und hinten aber bis auf einen halben Schritt verengt. An den Wänden der Klamm liegen, aufgebahrt auf hölzernen Plattformen, die Toten des Stammes und in Höhlen ruhen die Sayback von mehr als fünf Jahrhunderten. Hinten in der Klamm liegt das Lager von Hassun, der als Sayback und Schamane allein über den Stamm gebietet, nachdem der alte Wahrer der Tradition gemäß der alten Stammesregeln zu Beginn der „Götterlosen Zeiten“ von den Mitgliedern der Sippe erschlagen, zerstückelt, gegessen und wieder erbrochen wurde


Startwerte Sanskitarische Reiternomaden

  • Generierungskosten: 12 GP
  • Modifikationen: MU +1, KO +1, LeP +1, AuP +5, MR -1
  • SO-Maximum: 6
  • Automatische Vor- und Nachteile: Aberglaube 5, Arroganz 5
  • Empfohlene Vor- und Nachteile: Ausdauernd, Entfernungssinn, Hitzeresistenz, Hohe Lebenskraft, Innerer Kompass, Richtungssinn, Schnelle Heilung, Zäher Hund; Arroganz, Jähzorn, Prinzipientreue(Stammestraditionen), Raumangst, Speisegebote, Vorurteile
  • Ungeeignete Vor- und Nachteile: Soziale Anpassungsfähigkeit; Glasknochen, Krankheitsanfällig, Kurzatmig, Niedrige Lebenskraft, Platzangst, Totenangst
  • Talente
    • Kampf: Bogen oder Lanzenreiten oder Wurfspeere +2, Dolche +1, Hiebwaffen oder Säbel +2, Raufen +2, Ringen +2
    • Körper: Athletik +1, Körperbeherrschung +2, Reiten +3, Schleichen +2, Selbstbeherrschung +2, Sich Verstecken +1, Sinnenschärfe +1
    • Gesellschaft: Menschenkenntnis +1, Überreden +1
    • Natur: Fährtensuchen +2, Orientierung +3, Wettervorhersage +2, Wildnisleben +3
    • Wissen: Götter/Kulte +2, Pflanzenkunde +2, Sagen/Legenden +3, Sternkunde +1, Tierkunde +3
    • Schriften/Sprachen: Muttersprache: Sanskitarisch, Sprachen Kennen (Gmer und Uzujuma)+4
    • Handwerk: Holzbearbeitung +1, Kochen +1, Lederbearbeiten +2
  • Sonderfähigkeiten: Kulturkunde: Sanskitarische Reiternomaden, Steppenkundig oder Wüstenkundig
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